Was passiert eigentlich mit unserem Wissen, wenn plötzlich kein Internet mehr verfügbar ist?
Diese Frage beschäftigt mich seit einiger Zeit. In den vergangenen Wochen ist daraus ein kleines Projekt entstanden, an dem ich mit großer Freude arbeite: ARCA – das Autarke RessourCen Archiv.
Die Idee dahinter ist eigentlich ganz einfach. Wir sind heute daran gewöhnt, nahezu jede benötigte Information innerhalb weniger Sekunden aus dem Internet abzurufen. Das funktioniert hervorragend – solange Stromversorgung, Internetzugang und die dazugehörigen Dienste verfügbar sind. In einer außergewöhnlichen Lage kann genau das aber zum Problem werden. ARCA soll deshalb wichtige Informationen lokal und unabhängig vom Internet verfügbar machen.
Ein kleiner Server voller Wissen
Die technische Grundlage ist bewusst unspektakulär. ARCA läuft auf einem Raspberry Pi. Der kleine Rechner stellt sein eigenes WLAN bereit und kann damit auch ohne vorhandene Netzwerkinfrastruktur von Smartphones, Tablets oder Notebooks erreicht werden. Darauf entsteht nach und nach ein Offline-Wissensspeicher, der flexibel einsetzbar und vor allem resillient ist.
Ein Wiki stellt speziell zusammengestellte Informationen bereit. Eine lokale Wikipedia dient als allgemeines Nachschlagewerk. Hinzu kommen Offline-Karten auf Basis von OpenStreetMap. In einem nächsten Schritt sollen Dokumente, eBooks und weitere Nachschlagewerke übersichtlich eingebunden werden.
Das Entscheidende daran: Für ihre Nutzung ist keine Verbindung zum Internet erforderlich. Alles liegt auf ARCA und kann abgerufen werden.
Warum heißt das Projekt ARCA?
ARCA steht für Autarkes RessourCen-Archiv. Der Name beschreibt damit ziemlich genau, was das System leisten soll: Wissen und wichtige digitale Ressourcen sollen auch dann verfügbar bleiben, wenn Internet, Mobilfunk oder andere zentrale Dienste ausfallen.
Zugleich ist arca ein lateinisches Wort. Es bezeichnet eine Kiste, einen Kasten oder eine Truhe, also einen sicheren Ort, an dem etwas Wertvolles aufbewahrt wird. ARCA ist eine digitale Truhe für Wissen – kompakt, lokal verfügbar und unabhängig von externer Infrastruktur.
Und natürlich klingt dabei auch die Arche an: ein geschützter Ort, der Wichtiges bewahrt, wenn außerhalb die gewohnten Strukturen nicht mehr funktionieren.
Vom Gedanken zum ersten Demonstrator
Inzwischen läuft ein erster Demonstrator. Man verbindet sich mit dem WLAN von ARCA, öffnet die Startseite und kann von dort auf die verschiedenen Informationsangebote zugreifen. Das Ganze passt auf einen Raspberry Pi und eine Speicherkarte.
Natürlich ist das noch kein fertiges System. Im Gegenteil: Der jetzige Aufbau dient vor allem dazu, das Konzept auszuprobieren. Welche Informationen braucht man wirklich? Wie müssen sie strukturiert sein, damit sie schnell gefunden werden? Welche zusätzlichen Quellen sollten offline verfügbar sein? Und wie lässt sich das System möglichst robust und einfach gestalten?
Interessant sind solche Server für eine Vielzahl von Anwendungen. Nicht nur für Stäbe oder Einheiten, die im Notfall ohne die Anbindung an das Internet handlungsfähig sein müssen; auch Expeditionen oder in abgelegenen Weltgegenden Reisende können davon profitieren.
Autark statt Cloud
Dabei geht es mir keineswegs darum, das Internet oder Cloud-Dienste zu ersetzen. Es geht um Resilienz. Ein Informationssystem, das auch dann noch funktioniert, wenn andere Systeme gerade nicht verfügbar sind, kann eine wertvolle Rückfallebene bilden. Gerade im Umfeld von Bevölkerungsschutz und außergewöhnlichen Lagen erscheint mir dieser Gedanke ausgesprochen interessant.
ARCA soll deshalb bewusst klein, robust und unkompliziert bleiben: einschalten, verbinden, Informationen abrufen. Der erste Demonstrator zeigt inzwischen, dass dieses Prinzip funktioniert. Jetzt beginnt der spannendere Teil: aus einem technischen Experiment ein wirklich nützliches Werkzeug zu machen.
